Und hier verschwanden Lord Greystoke und Lady Alice, seine Frau, aus den Augen und aus dem Gedächtnis der Menschen. (Seite 8)
Lord und Lady Greystoke wurden nach einer Meuterei alleine im afrikanischen Busch ausgesetzt. Dort richteten sie sich ein, und einige Monate später kam ihr Sohn zur Welt. Sehr bald starb die junge Mutter, der Vater kam kurz danach bei einem Überfall wilder Tiere ums Leben. Die Affenfrau Kala nimmt sich des Säuglings an und zieht ihn groß. Im Laufe der Jahre wächst Tarzan, wie er von den Affen genannt wird, zu einem intelligenten kräftigen jungen Mann heran. Als er rund zwanzig Jahre alt ist, strandet wiederum eine kleine Expeditionsgesellschaft - zum ersten Mal in seinem Leben sieht er andere weiße Menschen, die allerdings im Dschungel nicht gut zurecht kommen. Und so beginnen die Abenteuer.
Meine Meinung
Tarzan gehört, wenn man so will, zu den Helden meiner Jugend. Sei es in der Gestalt von Lex Barker oder Johnny Weissmüller mit dem legendären Tarzan-Schrei, von dem schon mein Vater aus seiner Jugend geschwärmt hat. Oder aber auch über viele Abende hinweg dargestellt von dem unvergessenen Ron Ely. Als ich mir letztens wieder einmal eine Tarzan-Verfilmung angesehen habe, fand ich es an der Zeit nachzulesen, wie das eigentlich begonnen hat mit Tarzan, vor über hundert Jahren in einem Buch.
Von Burroughs hatte ich letztes Jahr schon „Caprona - Das vergessene Land“ gelesen und kannte von daher schon die manchmal etwas überbordende Phantasie des Autors. Die schlug hier nicht ganz so sehr über die Stränge, aber für ein richtiges filmreifes Abenteuer reicht es allemal. Kein Wunder, daß es so viele Verfilmungen des Stoffes gibt! Da kann man die ein oder andere Ungenauigkeit übersehen, von manchen Unmöglichkeiten ganz zu schweigen. Aber hier geht es nicht um hohe Literatur, sondern um einen ganz klassischen Abenteuerroman zur Unterhaltung. Und als solcher hat er mich ganz prima unterhalten.
Für einige Stunden habe ich das gemütliche Wohnzimmer verlassen und hauste im dichten Dschungel Afrikas. Schwang mich mit Lianen von einem Baum zum anderen, bekämpfte Löwen und andere höchst gefährliche Gegner, konnte nicht nachvollziehen, wieso man Fleisch erst braten soll, wenn es roh doch so viel besser schmeckt, und brauchte über weite Teile überhaupt kein einziges Wort zu reden, denn sprechen konnte Tarzan da noch nicht.
Burroughs hatte auf jeden Fall Talent zum Schreiben, ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen und fieberte mehr als ein Mal, wie eine unlösbare Situation am Ende doch gelöst werden sollte. Ich hatte mich vor dem Lesen nicht weiter über den Inhalt informiert, denn kannte ich ja aus den diversen Filmen - dachte ich. Auf jeden Fall, das sei noch erwähnt, ging das Buch nicht so aus, wie ich erwartet hatte. Aber das macht nichts, „schreit“ das Ende doch geradezu nach einer Fortsetzung, die es ja auch tatsächlich mehrfach gibt. Damit es also ein „richtiges“ Ende gibt, bleibt nur eines: bald den zweiten Band „The Return of Tarzan“ (deutsch: „Tarzans Rückkehr“) zu lesen. Auf daß Tarzans Triumphschrei nie verstummen möge.
Mein Fazit
Abenteuer und Jugenderinnerungen pur - besser geht es nicht, will man der realen Welt entfliehen. Möge Tarzan auf ewig den Dschungel beherrschen!
Über den Autor
Edgar Rice Burroughs wurde 1875 in Chicago geboren. Er versuchte sich ein zeitland eher erfolglos in mehreren Berufen, bevor er mit dem Schreiben begann. Seine dritte Erzählung „Tarzan of the Apes“ brachte den Durchbruch. Er schrieb etwa 70 Bücher und starb 1950 an einem Herzinfarkt.
Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
* = And here John, Lord Greystoke, and Lady Alice, his wife, vanishesd from the eyes and from the knowledge of men.
Enthalten in: Tarzan Collection (Annotated): Thirteen Novels | Classic American Literature
E-Book, Kindle; dieser Roman ca. 300 Seiten
Verlag: Erato Press, 2026 Amazon-ASIN: B0GTJ1LPM1
