Sie war nicht bereit zuzugeben, daß es Zeiten gab, in denen ein Traum besser nur ein Traum als im realen Leben war.* (Seite 8)

Cover: Die Schwestern vom BuchladenZum Inhalt

Zwei Schwestern, eine Buchhandlung und eine Insel spielen die Hauptrollen in den vier kurzen Erzählungen. Es geht eigentlich um nichts Anderes als das tägliche, reale Leben, das unweigerlich Freud und Leid, Anfang und Ende mit sich bringt. Eben all das, was ein Menschenleben ausmacht.

 

 

 

 

Meine Meinung

Eigentlich wollte ich nichts zu dieser Kurzgeschichte schreiben - weil eine Rezension fast schon länger wird, als die ganze Geschichte. Aber am Ende war ich so angetan von der Gesamterzählung, daß ein paar Sätze doch angebracht erscheinen.

Die Geschichte wurde mir von Amazon empfohlen; da ich gerade ein anstrengendes Sachbuch gelesen hatte, war mir der Sinn nach etwas kurzem und leichten - da paßte das prima. Erst als ich ausgelesen hatte, stellte ich fest, daß es noch drei weitere Teile gibt - diese allerdings nur auf Englisch. Nachdem diese erste Geschichte meine Erwartungen aufs Trefflichste erfüllt hatte, wollte ich natürlich auch die Fortsetzungen (auch jeweils rund dreißig Seiten) lesen. Und wurde völlig überrascht. Doch der Reihe nach.

In diesem ersten Teil „Die Schwestern vom Buchladen“ geht es um die beiden Schwestern Isabel und Sophie, die sich vor Jahren entfremdet haben. Sophie blieb auf der heimatlichen Insel und führte den Buchladen weiter, Isabel floh nach New York. Nach einem Hilferuf ihrer Nichte Violet kehrt sie zurück. Im Weiteren müssen Isabel und Sophie ihr Verhältnis zueinander klären, wie auch Isabel ihre Vergangenheit aufarbeiten muß. Denn eines wird ihr klar: Flucht ist auf Dauer keine Lösung. Diese Erzählung war, trotz teilweise durchaus ernsten Themen, von einer positiven Grundhaltung getragen, die mich auf die Fortsetzungen neugierig machte.

„The Bookstore Wedding“ lautet der Titel der zweiten Geschichte, und natürlich hatte ich Vorahnungen, was da gemeint sein könnte. Doch die Autorin hatte andere Ideen. Das Leben geht eben keine geraden Wege, sondern hält seine Überraschungen bereit - gute wie schlechte; da können dann Planungen schon mal komplett aus dem Ruder laufen, wenn das Leben auf den Kopf gestellt wird. Insgesamt empfand ich dieses Kapitel von einer nachdenklich-melancholischen Grundstimmung durchzogen.

„The Bookstore Keepers“ ist der Erzählung dritter Teil. Wieder einige Jahre später schlägt das Schicksal zu. Denn der Traum von einem Engel ist nicht immer eine Frohe Botschaft, es kann auch der Hinweis auf den Tod sein. Gleich zu Beginn werden die Karten auf den Tisch gelegt - das ist keine fröhliche Erzählung mehr, hier werden Dinge von Leben und Tod verhandelt. Ein Thema, welches auch den vierten und letzten Teil beherrschen wird. Ich fand es erstaunlich - und das spricht für das große Talent der Autorin -, wie man auf so wenigen Seiten (rund dreißig) Tod, Trauer und Verlust auf eine Weise verarbeiten kann, daß existentielle Probleme angesprochen werden. Ich konnte Manches nur zu gut nachempfinden.

„The Bookstore Family“ beschließt, zeitlich etliche Jahre später, den Reigen. Und wieder schlägt das Schicksal aus dem Hinterhalt zu und verändert die Lebensplanungen der Beteiligten. Auch wenn die Geschichte letztlich hoffnungsvoll mit einem Neubeginn endet, ist der Weg dorthin eher hart und steinig. Obwohl die Autorin für mein Empfinden nicht auf die Tränendrüse gedrückt hat, kann es von Vorteil sein, das eine oder andere Taschentuch greifbar zu haben. Denn das, was hier beschrieben wird, ist sehr lebensnah. Und im Leben sind Freud und Leid nunmal oft dicht beieinander.

Insgesamt haben mich die Geschichten, die jede für sich auch den Stoff für einen Zweihundertseiten-Roman abgegeben hätte, sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Denn „das Leben ist nicht fair. Es geht darum, das Richtige zu tun.“ Letztlich gilt es, eine Möglichkeit, einen „Aussichtspunkt“, zu finden, an dem man die Menschen, die man liebt, ob vergangen oder gegenwärtig, im Blick bzw. Gedächtnis haben bzw. behalten kann. Denn dann sie sind niemals weit entfernt. „Man muß sich nur an sie erinnern. Und schon sind da.“

 

Mein Fazit

Vier kurze Erzählungen, die zusammen über einen Zeitraum vom mehr als zehn Jahren Freud und Leid, Leben und Tod auf so reale Weise thematisieren, wie ich es so kompakt noch selten bis nie gefunden habe. Sie bieten viel Stoff und Gelegenheit zum Nachdenken; ich werde sie nach einer gewissen Zeit auf jeden Fall nochmals lesen.

 

Über die Autorin

Alice Hoffman wurde 1952 in New York geboren und hat an der Stanford University studiert. Sie hat etliche Bücher, von denen einige verfilmt wurden, sowie zahlreiche Kurzgeschichten geschrieben. Sie lebt mit ihrer Familie in Cambridge (Massachusetts).

Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgaben

* = She wasn’t ready to admit that there were times when a dream was better as a dream than it was in real life. (The Bookstore Family, S. 8)

1: Die Schwestern vom Buchladen (Amazon-ASIN: B0GYQBM1LF)
2: The Bookstore Wedding (Amazon-ASIN: B0CV4FFR71) 3: The Bookstore Keepers (Amazon-ASIN: B0D2J6X117)
4: The Bookstore Family (Amazon-ASIN: B0DKTRSHSP)
Je ca. 30 - 35 Seiten, Kindle-eBook Verlag: Amazon Original Stories