Die Demokratie der Zukunft ist auf das Vorhandensein möglichst vieler engagierter, sachlich kompetenter und urteilsfähiger Menschen angewiesen - oder aber sie hat keine Zukunft. (Seite 11)

Cover: Die Zukunft der DemokratieZum Inhalt

Spätestens seit 2015 sind die Demokratie und der Rechtsstaat unter Druck geraten, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Münkler analysiert die Ursachen dieser Entwicklung und entwickelt daraus Lösungsvorschläge für die Zukunft. Denn bei einem „weiter so“ könnte es leicht passieren, daß die Demokratie eines Tages Geschichte ist.

 

 

 

 

 

Meine Meinung

Eigentlich habe ich mein ganzes Leben hindurch das „Wahlrecht“ als „Wahlpflicht“ begriffen - wir dürfen etwas, was vielen Menschen auf der Welt verwehrt wird: die uns Regierenden wählen. Aber in letzter Zeit sind mir doch teils recht deutliche Zweifel gekommen, ob die Wahlen nicht eher - drastisch ausgedrückt - eine Farce sind, denn nach den Wahlen handelt die Politik (so will es zumindest scheinen) immer weniger danach, wie die Menschen gewählt haben, sondern „völlig losgelöst“ von teils mehrheitlichen Ansichten in der Bevölkerung. Warum sich also noch die Mühe machen zu wählen?

Ganz so einfach schien mir das denn doch nicht zu sein, weshalb ich zu diesem Buch gegriffen habe, dessen Verlagswerbetext vielleicht nicht die, aber doch eine mögliche Antwort auf diese Frage versprach. Und nun, am Ende, bin ich zwar nicht restlos zufrieden, aber zumindest schlauer als zuvor.

Die Kritik, die ich an der Gestaltung des Buches „Der amerikanische Weckruf“ von Cathryn Clüver Ashbrook kürzlich geübt habe, trifft auch hier zu - es ist dann wohl die Reihengestaltung, die mir nicht gefällt und Leseprobleme bereitet. Der Satzspiegel erschwert das Lesen auf eine solch drastische Weise, wie ich es bisher noch nie in einem Buch erlebt habe (außer bei dem schon genannten). Eine (für mich) normale Lesehaltung ist nicht möglich, da der Text bis 5mm an den Seitenrand heranreicht - beim üblichen Festhalten an der Seite der Finger den Text also teilweise verdeckt. Da gibt es noch Lern- und Verbesserungsbedarf beim Verlag. Aber die Reihengestaltung wird sich wohl nicht ändern - es bleibt also beim erschwerten Lesen.

Münkler schreibt sehr konzentriert und dicht, bietet viele Informationen und eine klare Entwicklung seiner Gedanken. Das Buch ist in vier Hauptabschnitte eingeteilt:
- Wie es um die Demokratie bestellt ist
- Warum und seit wann die Demokratie in die Defensive geraten ist
- Worin die Gefährdungen und Bedrohungen der Demokratie bestehen
- Was die Demokratie braucht: Kompetente und engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Er gibt Erklärungen, wie die Demokratie in Athen funktionierte, weshalb man dieses Modell nicht 1 : 1 auf unsere Tage übertragen kann und beschreibt, wie Demokratie heute funktioniert - oder zumindest funktionieren sollte. Sehr deutlich wird, daß die sog. „Sozialen Medien“ eine große Gefahr für die Demokratie sind, weil es da weniger um „Schwarmintelligenz“ geht als daß man vielmehr „pures Herden- und Rudelverhalten“ feststellen kann (vgl. S. 76f). Er zeigt sehr ausführlich auf, wie die liberale Demokratie „in die Klemme zwischen dem Desengagement ihrer Anhänger und einer forcierten Obstruktion seitens ihrer Gegner geraten“ ist (vgl. S. 165). Der vermutlich einzige Ausweg aus dieser Lage ist, wenn sich mehr Menschen aktiv für die Demokratie einsetzen - nicht in Form von Demos gegen rechts, sondern beispielsweise in Parteien oder anderer Form aktiv am politischen Leben beteiligen. Inwieweit solches realistisch ist, ist eine andere Frage. Aber wie schreibt der Autor so treffend als letzten Satz im Buch, mit dem auch ich schließen möchte (denn dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen): „Eine Demokratie ohne Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist nicht überlebensfähig - wenn sie eine Zukunft haben soll, müssen vor allem in diesem Bereich neue Ansätze entwickelt werden.“ (S. 176)

 

Mein Fazit

Ein Plädoyer für die Demokratie und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger daran, um selbige vor dem Untergang zu retten. Lesens- und Nachdenkenswert.

 

Über den Autor

Herfried Münkler, Jahrgang 1951, hat Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Frankfurt studiert. Nach der Promotion und Habilitation war er ab März 1992 als Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2018 tätig. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

200 Seiten, gebunden
Reihe: Auf den Punkt
Verlag: Christian Brandstätter Verlag, Wien; 2. Auflage 2024; ISBN-13: 978-3-7106-0651-9

 

Cookies erleichtern bzw. ermöglichen die Bereitstellung unserer Dienste. (Bei der Nichtannahme von Cookies kann die Funktionsfähigkeit der Website eingeschränkt sein.)