Die politische Mitte hat sich in einem Tal der Langeweile eingerichtet, wo Feigheit mit Vernunft und Erwachsensein verwechselt und kein anderes Ziel geboten wird als Stillstand. (Seite 125)
Was passiert, wenn eine Gesellschaft aufhört, Männern Geschichten zu erzählen, in denen sie sich wiederfinden können? Not am Mann analysiert mit Schärfe und Empathie, wie Popkultur, Politik und Medien ein Vakuum hinterlassen haben, das rechte Influencer, toxische Männerforen und autoritäre Rollenvorbilder wie Trump oder Musk füllen. Zwischen Kinoleinwand und Kommentarspalten, zwischen #MeToo und der AfD wird deutlich: Wer über Männlichkeit nicht spricht, überlässt das Feld denen, die sie am liebsten in Machtfantasien und Frauenhass konservieren möchten.
Ein Buch über Männlichkeit im Umbruch, über gefährliche Sehnsüchte – und darüber, wie wir Jungen und Männern wieder das Gefühl geben können, gesehen zu werden.
Meine Meinung
Wenn ich mich in der Welt so umsehe, will es mir scheinen, als ob „der Westen“, wie ich ihn seit meiner Kindheit kenne, hoffnungslos dem Untergang geweiht ist. Was nicht von außen zerstört wird, wird solches von innen (Trump & Konsorten). Es fällt mir mehr als nur schwer, diese Entwicklung nachzuvollziehen und vor allem zu verstehen. Da fiel mir dieses Büchlein in die Hände, und nun ist manches klarer.
So ist mir durch die Erläuterungen im Buch der Begriff „Identitätspolitik“ verständlicher geworden. Vor allem aber habe ich verstanden, weshalb es vermutlich ziemlich sinnlos ist, wenn die „traditionellen Parteien“ (um einen anderen belasteten Begriff zu vermeiden) versuchen, die extremen Parteien mit deren eigenen Waffen bzw. Themen zu schlagen. Weil dies an der Grundthematik, weshalb diese Parteien stärker und stärker werden, nichts ändert.
(Sehr) Vereinfacht gesagt, geht die Autorin davon aus, daß durch die in den letzten Jahrzehnten veränderten Verhältnisse zwischen Männern und Frauen die gesellschaftliche Balance gekippt ist. Typische Männerjobs, in denen man so viel Geld verdienen konnte, um eine Familie zu ernähren, verschwanden mehr und mehr, so daß es heute fast schon unmöglich ist, als Alleinverdiener für eine Familie zu sorgen. Hinzu kommt die Gleichberechtigung und zunehmende Emanzipation der Frau, die zusätzliches Konfliktpotential mit sich bringt. Hieraus erwächst eine Wut, die durch die Mechanismen der sog. sozialen Netzwerke noch verstärkt wird.*
So schaukelt sich die Entwicklung langsam, aber sicher immer weiter hoch, und die politischen Ränder rechts wie links gewinnen immer mehr Zuspruch und Einfluß. Da dies vor allem durch Emotionen beeinflußt ist, ist dieser Entwicklung mit rationalen Argumenten oder Handlungen kaum beizukommen.
Mein Fazit
In sechs Kapiteln legt die Autorin dar, wie aufgestaute Wut die radikalen Ränder immer stärker macht.
Über die Autorin (Verlagsangabe)
Eva Ladipo, geb. 1974, studierte Politische Wissenschaften in Cambridge und promovierte über das russische Steuersystem. Die Journalistin arbeitete als Redakteurin, Ressortleiterin und Korrespondentin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Financial Times Deutschland, Vanity Fair, Financial Times und Die Welt. Sie hat in Russland, Kolumbien und in den USA gearbeitet, bevor sie in Großbritannien gelandet ist.
Anmerkung und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
* Siehe hierzu auch das Buch von Jaron Lanier „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“. Die von Lapido erläuterten Gründe, weshalb soziale Medien als „Wutverstärker“ dienen, werden von Lanier sehr ausführlich erläutert.
150 Seiten, kartoniert
Reclams Universalbibliothek Nr. 14780
Verlag: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Stuttgart 2026; ISBN-13: 978-15-014780-1
