Denn der Albtraum der Sicherheitsapparate ist altbekannt: Ein Anschlag geschieht - und kurz darauf wird deutlich, daß Plan und mögliche Täter bekannt gewesen sind. (Seite 152)

Cover: Die SprengungZum Inhalt

Am 26. September 2022 explodieren in der Ostsee mehrere Sprengladungen und beschädigen bzw. zerstören die Nord Stream Pipeline. Wie konnte das geschehen? Und vor allem: wer steckt dahinter?
Die Autoren führten zahlreiche Gespräche mit Beteiligten auf allen Seiten und werteten zahllose Unterlagen aus. Als Ergebnis schildern sie den Ablauf und vor allem die Folgen des Anschlags.

 

 

 

 

Meine Meinung

Nun habe ich innerhalb kurzer Zeit zwei Bücher zu diesem Thema gelesen, um das selbe Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Während mich das erste durchaus emotionalisiert hat, kann ich das von diesem hier nicht behaupten. Eher hat es mich etwas ratlos zurück gelassen, da ich nicht sicher bin, ob ich verstanden habe, was mir die Autoren mit ihrem Buch eigentlich sagen bzw. mir als Leser mitteilen wollten.

Die Schilderung der Sprengung an sich umfaßt gerade einmal vierzig Seiten, deren politische Vorgeschichte dann schon 82, das „danach“ schließlich rund hundert Seiten. Der Untertitel: „Der Nord‑Stream‑Anschlag, die Jagd nach den Tätern und Deutschlands Verrat an der Ukraine“ deutet denn auch schon an, daß ein Schwerpunkt des Buches eher auf der (innen-)politischen Seite liegt. Nun kann man den Anschlag sicher politisch sehen (und die Täter sahen dies wohl auch so bzw. sie gingen von einer legitimen Handlung im Krieg gegen Russland aus), aber zumindest die Justiz in Deutschland sieht dies anders: diese geht von einem Gewaltverbrechen aus, das nach deutschem Recht verfolgt werden kann.

Die Autoren liefern in ihrer Darstellung enorm viele Daten und Fakten (die sie mit Fundstellen in Büchern, Zeitschriften und Internet hinterlegen), so daß einem davon manchmal der Kopf schwirren und man den Überblick verlieren kann. Das läßt sich bei so einer dichten Schilderung vermutlich nicht ganz vermeiden. Und bisweilen gerät auch etwas durcheinander. Auf Seite 17 liest man, daß Deutschland „mehr als 65 Prozent Gasimporte aus Russland“ bezog. Bojan Pancevski gibt (S. 45) für 2021 55% an, die Bundesnetzagentur 52% (Quelle).

Während die Vorbereitung bei Pancevski minutiös beschrieben wird, springt es hier beispielsweise von Schilderungen der Geschehnisse in Deutschland zum „Lagerkoller“ der Saboteure in Polen - von den Vorbereitungen, wie sie dahin gekommen sind, liest man nicht allzuviel (S. 133f). Allerdings war der im Jahr 2022 - nicht 2024, wie man es im Buch lesen kann (S. 134).

Was mich auch etwas gestört hat, waren einige abwertende Bemerkungen über den „Konkurrenten“ Bojan Pancevski und dessen Buch (z. B. S. 219f), während dieser wiederum in seiner Darstellung die Recherchen der Autoren zu diesem Buch hier erwähnt, sich aber jeder Bewertung enthält.

Insgesamt gibt das Buch einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse um die Sprengung der Nord Stream Pipelines als das mehrfach erwähnte „Die Nord Stream Sprengung“. Könnte ich nur eines der Bücher lesen, würde ich das von Bojan Pancevski bevorzugen.

 

Mein Fazit

Eine nüchterne Darstellung der Ereignisse um die Sabotage der Nord Stream Pipeline. Interessant vor allem im Hinblick auf die Schilderung der innerdeutschen Entwicklungen und Entscheidungen in den beteiligten Stellen und Behörden.

 

Über die Autoren (Verlagsangabe)

Oliver Schröm zählt zu den profiliertesten deutschen Investigativautoren. Mit zwölf Enthüllungsbüchern, darunter die Spiegel‑Bestseller „Die Cum‑Ex‑Files“ (2021) und „Die Akte Scholz“ (2022), prägte er Debatten über Macht, Geld und Verantwortung; seine Recherchen wurden zur Grundlage einer ZDF‑Serie und einer mit dem Deutschen Fernsehpreis (2025) ausgezeichneten Doku.
Ulrich Thiele ist Investigativjournalist und Autor des Bestsellers „Nord Stream. Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt“ (2025). Seine Recherchen zu Nord Stream 2 und der Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern brachten die Landesregierung von Manuela Schwesig in Bedrängnis und deckten das „Kamin-Gate“ auf. Sie waren Anlass zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

287 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: Piper Verlag GmbH, München 2026; ISBN 978-3-492-07509-1