Jeder von uns ist der Nachkomme von Überlebenden, die in den Katastrophenfeuern gehärtet und von der Zeit abgekühlt wurden. (Seite 13)
"Eine neue Geschichte des Lebens" vereint erstmals die erst in den letzten Jahrzehnten gewonnenen Erkenntnisse verschiedener Fächer von der Geologie über Paläontologie, Geo- und Astrobiologie, Physik, Chemie bis zur Genetik, Zoologie und Botanik in einer großen, umfassenden Erzählung – und schreibt in entscheidenden Punkten die bisherige Darstellung der Evolution des Lebendigen auf der Erde um.
Peter Ward und Joe Kirschvink schildern das spannende Zusammenspiel von Lebewesen und Ökosystemen, von Atmosphäre und Klima, das mehrmals im Lauf der Evolution dazu führte, dass sich die Bedingungen auf der Erde gravierend veränderten und Lebensformen massenhaft ausstarben. Sie geben einen faszinierenden Einblick in die seit 4,6 Milliarden Jahren dauernde Geschichte des Lebens und zeigen zugleich, wie fragil unsere heutige Lebenswelt ist.
Meine Meinung
Kürzlich las ich zwei Bücher von Henry Gee über die Entwicklung des Lebens. Darin wurde auch dieses Buch erwähnt. Da es nicht schaden kann, sich mehrere Meinungen zu einem Thema „anzuhören“, las ich nun auch diese Darstellung.
Der Hauptunterschied zwischen den Büchern von Henry Gee und diesem ist, daß Ward und Kirschvink deutlich mehr ins Detail gehen, vor allem was die Entstehung des Lebens betrifft. Da ich in Chemie seinerzeit in der Schule nicht unbedingt eine „Leuchte“ war und auch die wenigen Schulkenntnisse in meinem weiteren Leben nicht mehr gebraucht habe, tat ich mich mit den ganzen Beschreibungen von Amino- und anderen Säuren, Atom- und Molekülstrukturen durchaus - das sei zugegeben - etwas schwer. Bei der Lektüre des Buches ist es also nicht verkehrt, hiervon Grundkenntnisse (oder sogar etwas mehr) zu haben. Allerdings schreiben die Autoren so verständlich, daß man bei konzentriertem Lesen den Gedankengängen und Argumentationen auch mit den von mir genannten geringen Vorkenntnissen gut folgen und diese verstehen kann.
Relativ weit vorne im Buch gibt es einen Kurzüberblick über die erdgeschichtlichen Zeitalter, für mich als Laien wäre es hilfreich gewesen, wenn sich der an prominenter Stelle - etwa ganz vorne oder ganz hinten - befunden hätte, da ich diesen doch recht oft nachgeschlagen habe. Zwar sind mir viele Begriffe davon geläufig, nicht unbedingt aber immer die richtige Reihenfolge.
Die beiden Autoren schreiben trotz der anspruchsvollen Thematik gut verständlich, was allerdings nicht bedeutet, daß man das Buch so „nebenbei weglesen“ kann. Da sie viele Informationen verarbeiten und darbieten, ist aufmerksames Lesen gefordert. Belohnt wird man dann durch eine wirklich sehr ausführliche Darstellung über die Geschichte des Lebens auf unserem Planeten, der etlichen im Laufe der Erdgeschichte stattgefundenen Katastrophen und Massenaussterben nebst deren Folgen für die Entwicklung des Lebens.
Erwähnen möchte ich noch, daß man dem Buch anmerkt, daß es vor rund zwölf Jahren geschrieben wurde. Bei manchen Darstellungen seinerzeit neuester Forschungsergebnisse habe ich mich gefragt, wie deren Stand wohl heute, über ein Jahrzehnt später, ist. Wobei ich überhaupt überrascht war, wie viele wissenschaftliche Erkenntnisse relativ neu sind (also aus den Jahren nach etwa 1995 stammen).
Interessant ist, daß sowohl Henry Gee als auch die beiden Autoren dieses Buches letztlich zum selben Ergebnis kommen, was eine eventuelle Zukunft der Menschheit betrifft. Ob dies ein tröstliches Ergebnis ist, mag jeder für sich selbst beurteilen.
Mein Fazit
Eine sehr umfang- und detailreiche Darstellung der Entwicklung des Lebens auf der Erde. Gut geeignet für Leser, die es „ganz genau“ wissen wollen.
Über die Autoren (Verlagsangabe)
Peter Ward, geboren 1949, ist ein renommierter Paläontologe und Professor für Biologie, Geo- und Weltraumwissenschaften an der Universität von Washington. In der Vergangenheit lehrte und forschte er bereits am NASA-Institut für Astrobiologie und am Institute of Technology in Kalifornien. Er ist Autor zahlreicher viel gelobter und ausgezeichneter populärwissenschaftlicher Bücher.
Joe Kirschvink, geboren 1953, ist Professor für Geobiologie am Institute of Technology in Kalifornien. Internationale Bekanntheit erlangte er insbesondere mit seiner Hypothese vom „Schneeball Erde“. Gemeinsam mit Peter Ward betreibt er seit vielen Jahren intensiv Forschung zur Erdzeitgeschichte.
Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
544 Seiten, Grafiken und Illustrationen, gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: A New History of Life
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel
Verlag: DVA Deutsche Verlagsanstalt, München 2016; ISBN 978-3-421-04661-1
