Wir essen nicht, wenn wir hungrig sind, sondern wenn die Essenszeit da ist. Wir legen uns nicht schlafen, sobald wir müde sind, sondern wenn wir laut Uhr zu Bett gehen dürfen. (Seite 54)

Cover: ChronosZum Inhalt (Verlagsangabe)

Chronos, die personifizierte Zeit, ist ein Rätsel, nicht nur für Physiker. Von Newton bis Hamlet, von Einstein bis Dalí ist sie der Protagonist so faszinierender wie schwindelerregender Spekulationen. Können wir das unaufhaltsame Voranschreiten der Zeit jemals zum Stillstand bringen? Lässt sich der Zeitpfeil umdrehen? Hat die Zeit tatsächlich eine eigene Existenz oder ist sie nur eine riesige Illusion? Der Physiker und Schriftsteller Guido Tonelli erzählt in einem spektakulären Buch die lange Geschichte der Zeit, ihre rasende Geburt und bizarre Entwicklung.

 

 

 

 

Meine Meinung

Nachdem mir das Buch „Genesis - Die Geschichte des Universums in sieben Tagen“ des Autors gut gefallen hatte, wollte ich mehr von ihm lesen. Und die Überlegung, ob denn die Zeit etwas Reales oder eine Illusion ist, kam mir da gelegen.

Manche Seltsamkeiten mit der Zeit sind mir schon früher begegnet, beispielsweise bei J. Richard Gott in seinem Buch „Time Travel in Einstein’s Universe“, in welchem er eine tatsächlich funktionierende Methode beschreibt, wie eine Reise in die Zukunft möglich ist. Wobei das „tatsächlich“ an so Kleinigkeiten wie der Realisierung der Verdichtung einer Masse von der Größe des Jupiters auf einen Wert kurz davor, bevor sie zu einem Schwarzen Loch kollabiert, scheitern dürfte (S. 69ff im genannten Buch).

Solche „Seltsamkeiten“ finden sich bei Tonelli so einige im Buch - seltsam aber sicherlich nur für Nicht-Physiker. Denn wie schon in seinem Buch „Genesis“, hält sich der Autor auch hier streng an physikalische Fakten und Gesetze. Die sind aber im Bereich der Teilchenphysik - zumindest für Laien - doch sehr anders als in der uns gewohnten „Makrowelt“. Übrigens gibt es auch in diesem Buch wieder "Ausflüge" in die Geschichte der Menschheit, die zum Thema „Zeit“ passen, mit denen er die Verbindung der (theoretischen) Physik hin zum (praktischen) Leben illustriert. Etwas, was mir ganz besonders positiv an seinen Büchern aufgefallen ist.

Und so schildert er denn Orte, an denen die Zeit still steht oder sich gar „auflöst“, oder er erklärt, daß auch die Zeit (und deren „Beherrschung“) damit zu tun hat, daß beispielsweise Google Maps die Position bis auf Zentimeter genau bestimmen kann. Seine Erläuterungen dazu haben mich durchaus verblüfft - und ich werde sie hier sicherlich nicht wiedergeben, da ich mir nicht sicher bin, ob ich das korrekt könnte.

Am Ende habe ich wiederum voller Staunen auf das Universum und die Welt, in welcher wir leben, geblickt; von der ich wieder ein kleines bißchen mehr verstanden habe. Tonelli hat wahrhaft ein Talent dafür, schwierige Sachverhalte für Laien nachvollziehbar zu beschreiben - auch wenn ich manches zwei Mal lesen mußte, weil es doch zu neu und ungewohnt für mich war. (An dieser Stelle auch ein Lob auch für den Übersetzer, der den Text in wirklich gutes Deutsch übersetzt hat, heute leider nicht mehr selbstverständlich.)

Und was ist letztlich das Ergebnis von Tonellis Ausführungen? Gibt es die Zeit, ist sie eine Illusion? Nun, die Zeit wird es zeigen.

 

Mein Fazit

Wiederum ein gut lesbares und verständliches Buch des Autors über eine grundlegende Thematik der Physik, die uns alle betrifft.

 

Über den Autor (Verlagsangsabe)

Guido Tonelli ist experimenteller Physiker am CERN in Genf und war in leitender Stellung 2012 an der Entdeckung des Higgs-Bosons beteiligt. Er hat bereits mehrere erfolgreiche populärwissenschaftliche Sachbücher veröffentlicht.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

255 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: Tempo. Il sogno di uccidere Chrónos. Aus dem Italienischen von Enrico Heinemann
Verlag: C. H. Beck oHG, München 2022; ISBN 978-3-406-79184-0