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„Who knows where people find the strength to bear some things.“ (Seite 119)*
So much! They had been through so much together ... and survived! (Seite 20)**

Cover: Climb The Highest MountainZum Inhalt

1864. Chivington. Sand Creek.
Schon auf den ersten Seiten tauchen diese Begriffe auf - die Ahnung, daß es schlimm wird für die Familie Monroe, trügt nicht. Zudem kommen immer mehr Siedler ins Land, die dieses für sich fordern. Daß hier seit Jahrhunderten die Cheyenne beheimatet sind, stört die Weißen nicht: dann müssen die Indianer eben ausgerottet werden, ist ihr Devise.
Schlechte Aussichten also für das Halbblut Zeke Monroe, seine Frau Abigail und ihre sieben Kinder. Nach Sand Creek nehmen die Kämpfe zwischen Weißen und Indianern stark zu, wodurch auch die Monroes betroffen werden; zudem muß Zeke auf eine Rettungsmission mit unbekannter Dauer. Die Ereignisse überwältigen die Familie, und zum ersten Mal gerät ihre Beziehung in ernsthafte Gefahr, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint...

 

 

 

Meine Meinung

„Es tut so weh.“, hat Wilhelm von Kügelgen in einem Brief über den Tod eines seiner Kinder geschrieben. Dieser Satz kam mir mehrfach in den Sinn, denn mehr als ein Mal hatte ich das Gefühl, daß nicht nur die Schmerzgrenze der Figuren, sondern auch die des Lesers erreicht wurde. „Wie viel kann ein Mensch aushalten?“ fragt sich Zeke an einer Stelle. Am Ende des Romans scheint die Antwort zu sein: ziemlich (gar unendlich?) viel. In Kenntnis des geschichtlichen Ablaufs der folgenden Jahre weiß man als Leser, daß dies hier nur der Auftakt zu vielleicht noch Schlimmerem ist. Auch wenn die Autorin die Geschehnisse zurückhaltend, dennoch deutlich, beschreibt und vor allem die Folgen die Handlung bestimmen läßt, geht es durch und durch und erschüttert bis ins Mark.

Wie schon beim letzten Band geschrieben, fällt es zunehmend schwerer, die Handlung einem bestimmten Band zuzuordnen. Im Kopf verschmelzen die zu einem einzigen - wo hört der eine auf, fängt der nächste an? Denn es ist eine durchgehende Geschichte, die die Autorin hier erzählt. Zwar gibt es immer wieder Rückblicke und Informationen über die Ereignisse aus den Vorgängerbänden, doch spätestens jetzt kann man der Handlung nicht mehr vollständig folgen, wenn man die ersten Bücher nicht gelesen hat.

„Die weißen Siedler wollen, was rechtmäßig jemand anderem gehört, und sie sind zahlenmäßig überlegen und haben die überlegenen Waffen.“** (S. 139), sagt Zeke nach dem Sand Creek Massaker zu seinen Kindern auf die Frage, warum. Eben diese unersättliche, rücksichtlose Gier sowie Arroganz anderen gegenüber tritt immer deutlicher zutage und wird zunehmend handlungsbestimmend. Wenn man es genauer betrachtet, ist dies Teil der (weißen) amerikanischen DNA geworden. Insofern paßt die Politik eines Donald Trump perfekt zu der seiner Vorfahren im 19. Jahrhundert, man denke beispielsweise an die Dakota Access Pipeline.

Fast zwanzig Jahre sind seit Beginn der Geschichte im Jahre 1845 vergangen, und so langsam merkt man auch Zeke an, daß er älter wird. Das Leben hat ihn gezeichnet, noch immer muß er immer wieder kämpfen, doch es wird schwerer, den Sieg zu erringen. Zudem breitet sich die „Zivilisation“ immer weiter aus. Zivilisation im amerikanischen Sinne heißt hier zum Beispiel, daß alle Personen, die im Bereich der USA geboren wurden gleiche Rechte haben - außer Frauen und Indianern. Letztere dürfen auch nichts besitzen, vor allem kein Land, und wenn etwas geschieht, sind sie auf jeden Fall schuld - ungeachtet der Fakten. Die braucht man gar nicht zu untersuchen, denn die Schuldfrage ist ohnehin klar. Bisweilen, sehe ich mir die amerikanische Politik und Wesensart so an, habe ich den Eindruck, daß das bis heute nicht viel anders geworden ist.

Mit diesem fünften Band von sieben hat auch das langsame Abschiednehmen begonnen. Immer wieder gibt es ein kurzes Innehalten, zurückdenken an frühere, glücklichere Tage, und dabei wird deutlich, daß die Liste der Toten inzwischen lang, sehr lang geworden ist; eine Liste, die im Verlauf dieses Buches noch länger wird. Abschiednehmen nicht nur von liebgewordenen Figuren, sondern auch von einer Kultur, einer Lebensart, die der „weißen Zivilisation“ schlicht im Weg war und darum rücksichtslos beseitigt wurde.

Doch vor dem endgültigen Ende heißt es für Zeke, Abigail, Swift Arrow, Dan und wie sie alle heißen, die Abenteuer (?) dieses Buches zu bestehen. Zwei Jahre von Leid und Schmerz, aber auch von schönen Momenten und solchen mit Hoffnung für die Zukunft. Einer Zukunft, die vielleicht doch zum Besseren zu gestalten ist.

Mein Fazit

Leben, Leid und Tod. Mittendrin Zeke und Abigail mit ihrer Familie. Mitleiden, Mitfreuen. Melancholie, Abschied - und Hoffnung. Ein wundervolles Buch, das eine längst vergangene Zeit zum Leben erweckt und mir mehr als manches Sachbuch zum Verständnis der damaligen geschichtlichen Ereignisse verholfen hat. Grandios.

 

Über die Autorin

Rosanne Bittner wurde 1945 geboren und begann schon während der Schulzeit zu schreiben. Ihr erstes Buch verkaufte sie 1983; bisher sind über sechzig Romane von ihr erschienen. Sie ist seit 1965 verheiratet und zweifache Mutter. Sie lebt in der Nähe des Lake Michigan.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

441 Seiten, kartoniert
Verlag: ZEBRA Books, Kensington Publ. Corp. New York NY 1985; ISBN-10: 0-8217-5431-9, ISBN-13: 978-0-8217-5431-3

 

Sinngemäße Übersetzung / Originaltext:

* = Wer weiß, woher Menschen die Kraft nehmen, um manche Dinge zu ertragen.
** = So viel! Sie hatten so viel zusammen durchgemacht ... und überlebt!
*** = Der Originaltext lautet: „The white settlers want what rightfully belongs to someone else, and tey have the strength of numbers and superior weapons.

 

   
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