Ein Mann kann sich nicht einfach zurücklehnen und sich von anderen schikanieren lassen, selbst wenn er weiß, daß er nicht gewinnen kann.* (Seite 37)

Cover: Indian SummerZum Inhalt

Maggie Gibson lebt mit ihrem Mann sowie ihrer Tochter in der Nähe der Reservation, für die ihr Mann als Pastor zuständig ist. Doch ihr Mann wird immer einsilbiger und gefühlskalt, wodurch die Ehe belastet wird. Durch eine zufällige Begegnung mit dem Cheyenne Wild Horse lernt sie eine ganz andere Lebenseinstellung kennen. Zumal sich dieser mitnichten als das „Monster“, als das er geschildert wird, sondern als vernünftiger Mensch herausstellt. Doch die Zeiten sind nicht für Vernunft, und so scheint eine Katastrophe unvermeidbar.

 

 

 

 

Meine Meinung

Es ist gleich, ob Rosanne Bittner einen vielhundertseitigen Roman oder - wie hier - eine Novelle mit rund hundert Seiten schreibt: die Geschichte fesselt von der ersten Seite an und man kann das Buch (auch wenn es wie hier ein „eBook“ ist) nur schwer aus der Hand legen, bevor man nicht das Ende gelesen hat. Zumal auf dem Cover der Begriff „Tragödie“ für Bittners Bücher auftaucht und man nicht weiß, wie diese Geschichte denn enden wird: gut oder tragisch.

Maggie Gibson liebt ihren Mann, der als Pastor in einer Cheyenne-Reservation versucht, die Indianer zum Christentum zu bekehren. Jedoch ist er in jeder Hinsicht verbohrt und blind für anderes, als was er im Kopf hat. Wenn man mehr über seine Herkunft erfährt, mag das verständlich sein, jedoch ist es weder gut für seine Ehe noch für seine Pastorentätigkeit. Wenn immer es ihr möglich ist, bricht Maggie aus der Enge der Ehe aus und versucht, wenigstens für ein paar Stunden fröhliche Dinge mit ihrer Tochter zu erleben. Bei so einem „Ausbruch“ begegnet sie dem gefürchteten Wild Horse. Er wird als nichts weniger als ein blutünstiges Monster beschrieben - und stellt sich dann als nachdenklicher, vernünftiger Mensch heraus, der alles ist - nur kein Monster. In den Gesprächen, die sie im Laufe der Zeit miteinander führen, lernt Maggie die Welt der Cheyenne besser kennen als ihr Mann, der fast täglich in der Reservation ist.

Dies scheint ein Werk aus den ersten Schaffensjahren der Autorin zu sein (Copyright 1994, ihr erstes Buch erschien 1983), das allerdings erst jetzt (bzw. 2017) veröffentlicht wurde. Doch schon da ist ihre Meisterschaft in der Erzählkunst offensichtlich, wenngleich die Kürze des Romans ihren Tribut fordert. So ist die Figurencharakterisierung nicht so ausgefeilt, wie in ihren „langen“ Romanen, auch wird relativ straff erzählt, was ich beim Lesen etwas schade fand. Der Stoff hätte auch für einen „richtigen Roman“ gereicht. Nichtsdestotrotz konnte ich mir alles gut vorstellen und wurde mit jeder Seite nervöser, wie die Geschichte denn ausgehen würde.

Als sie denn ausgelesen war, war es der Autorin wieder einmal gelungen, mich für einige Zeit in eine andere Welt und eine andere Zeit zu entführen, mich mit den Figuren mitzufreuen und mitzuleiden. Und mich am Ende wieder einmal zu fragen, was denn „Zivilisation“ eigentlich ausmacht und ob wir nicht eine völlig falsche Vorstellung davon haben.

 

Mein Fazit

Ob kurz oder lang - die Autorin erzählt eine spannende Geschichte, die uns an Höhen und Tiefen menschlichen Schicksals teilhaben läßt. Lesenswert.

 

Über die Autorin

Rosanne Bittner wurde 1945 geboren und begann schon während der Schulzeit zu schreiben. Ihr erstes Buch verkaufte sie 1983; bisher sind über sechzig Romane von ihr erschienen. Sie ist seit 1965 verheiratet und zweifache Mutter. Sie lebt in der Nähe des Lake Michigan.

Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

* = A man cannot just lie back and let others walk over him, even when he knows he cannot win. (S. 37)

ca. 107 Seiten, Kindle-eBook
Verlag: Diversion Books, 2017 Amazon-ASIN: B087WGWQBQ; ISBN 978-1626818651

 

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